Exponate „schweben“ lassen: Feinarbeit für die neue Dauerausstellung auf dem Stiftsberg
20.01.2026
Der Aufbau der neuen Dauerausstellung im Schlossmuseum auf dem Welterbe Stiftsberg Quedlinburg schreitet weiter voran. Mit der Vorbereitung der Exponatpräsentationen beginnt derzeit eine besonders sensible Phase der Museumsarbeit. In diesem Abschnitt entscheidet sich, wie historische Objekte künftig wahrgenommen werden – im Zusammenspiel von Raum, Licht und Perspektive.
Im Mittelpunkt eines aktuellen Pressetermins stand die geplante Bestückung einer Vitrine in einem der künftigen Ausstellungsräume. Anhand einer Pappschablone wurde zunächst die Größe der Vitrine nachgebildet, auf der die Objekte anschließend platziert wurden. Exponateinrichter und Museumsmitarbeitende erläuterten dabei, welche Aspekte bei der Positionierung der Objekte, bei der Entwicklung von Befestigungslösungen sowie bei der Berücksichtigung von Blickachsen und Raumwirkung eine Rolle spielen.
„Wir schauen, wie sich die Objekte verteilen, wie sie befestigt werden müssen und wie man sie am besten in Szene setzen kann“, erläuterte Uta Siebrecht, Leiterin der Städtischen Museen und Archive. Ziel sei es, die Exponate nicht einfach abzulegen, sondern sie möglichst frei im Raum wirken zu lassen. Die Objekte sollen scheinbar „schweben“ und aus unterschiedlichen Perspektiven erfahrbar sein. Licht und Schatten sind dabei ebenso entscheidend wie die Platzierung der Vitrinen innerhalb der Ausstellungsräume. Da jedes Objekt andere Anforderungen stellt, entstehen für die mehr als 300 Exponate der neuen Dauerausstellung individuelle Präsentationslösungen.
Die Umsetzung übernimmt die Leipziger Firma Fißler & Kollegen, die auf Exponateinrichtung spezialisiert ist. Ihre Arbeit beschreibt die Museumsleiterin als eine sehr ästhetische und zugleich handwerklich anspruchsvolle Tätigkeit, für die es keine klassische Ausbildung gebe. Im Team arbeiten Fachleute mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen – darunter Zimmerer, Werkzeugmacher oder Spielzeugmacher –, die ihre Erfahrung und ihr Gespür für Material, Statik und Gestaltung einbringen.
Dem eigentlichen Einrichten ging eine intensive Auswahlphase voraus. „Es war eine schmerzliche Auswahl“, sagte Uta Siebrecht, denn die Sammlungen bieten weit mehr hochwertige Objekte, als in der Ausstellung gezeigt werden können. Für die besprochene Vitrine fiel die Entscheidung unter anderem auf ein sogenanntes Ofenlöwenköpfchen sowie auf Fundstücke aus einer Verfüllschicht im Residenzbau. Dort wurden zahlreiche Bruchstücke kostbarer Kachelöfen und hochwertigen Geschirrs entdeckt. Diese Funde geben eindrucksvoll Auskunft über die einstige Pracht des Residenzbaus vor seiner Umgestaltung zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Teilweise sind die Fragmente mit Inschriften, Namen oder figürlichen Darstellungen – etwa einer Jungfrau mit Kind – versehen und lassen Rückschlüsse auf Repräsentation und Selbstverständnis der damaligen Bewohner zu.
Begleitet werden die Arbeiten von Christian Müller, Leiter der Städtischen Sammlungen Quedlinburgs, der die historische Einordnung der Objekte erläuterte. Während eines Pressetermins stellte er weitere Objekte vor, die für die Ausstellung vorbereitet werden. Dazu zählen barocke Flöten aus dem 17. Jahrhundert, Münzpunzen sowie Schmucksteine. Sie verdeutlichen die inhaltliche Bandbreite der neuen Dauerausstellung, die Alltagskultur, Musikgeschichte sowie Aspekte von Herrschaft und Repräsentation miteinander verbindet.
Mit dem fortschreitenden Ausbau nimmt das neue Schlossmuseum auf dem Stiftsberg zunehmend Gestalt an. Schritt für Schritt entsteht eine Dauerausstellung, die historische Substanz bewahrt und zugleich zeitgemäß vermittelt.
Fotos: © Welterbestadt Quedlinburg
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